Bäuerliche Familienbetriebe stellen sich dem Wandel der Landwirtschaft. Direktvermarktung im Hofladen ist eine bekannte Alternative. Doch es geht noch einen Schritt weiter – zur „Bauernhofgastronomie“. Jetzt gab es vom Landratsamt Ludwigsburg einen Kurs um den perfekten Service kennenzulernen.
Um es vorwegzunehmen, die sprichwörtliche Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär ist zumindest in Deutschland nicht mehr möglich. Grund dafür sind die geltenden Hygienevorschriften, wonach Geschirr in Gastronomiebetrieben für mindestens sechs Minuten bei minimal 75 Grad Celsius gespült werden muss.
Dies ist nur ein Aspekt, den die an der „Bauernhofgastronomie“ interessierten Frauen – und wenige Männer – bei einem mehrteiligen Seminarangebot des Fachbereichs Landwirtschaft im Landratsamt kennenlernten. Das gemeinschaftliche Fortbildungsangebot „Bauernhofgastronomie“ der Landkreise Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis wurde bereits im vergangenen Jahr mit den Themenbereichen „Von der Idee zur Umsetzung – das Unternehmenskonzept“, „Fit für den Architekten: Raumplanung, Ausstattung und Funktionsabläufe“ und „Förderung und Finanzierung; Entscheidungshilfen für die eigene Idee“ begonnen. Am Montag stand nun im Ernährungszentrum Mittlerer Neckar in Ludwigsburg die „Qualifizierung im Bereich Service“ auf dem Stundenplan.
Elke Scheuler, die in Löchgau seit Mai 2002 einen Hofladen auf ihrem gleichnamigen Spargelhof betreibt, hat bereits die letztjährigen Kurse besucht und ließ sich gerne bei der dreistündigen Veranstaltung von Berufsschul- und Hauswirtschaftslehrerin Ute Schweyer aus Heilbronn von der hohen Schule des Service in der gehobenen Gastronomie inspirieren. „Es ist interessant zu hören und zu sehen, wie man es macht“, sagte Scheuler, schränkte aber ein, dass es für die bäuerliche Gastronomie wohl etwas übertrieben wäre, für Hochzeiten oder Gesellschaften aber durchaus hilfreich sei. Denn Ute Schweyer, die ihr Steckenpferd zur Profession gemacht hat, ist eine ebenso fachkundige wie strenge Lehrerin. Da müssen die Bügelkanten der Tischdecken möglichst nach dem Lichteinfall des Fensters ausgerichtet werden, Gläser müssen sowohl nach dem Spülen als auch nach dem Herausnehmen aus dem Schrank beim Eindecken poliert werden. Gleiches gilt natürlich für die Bestecke, die zudem akkurat mit Daumenabstand zur Tischkante liegen müssen. Das Dessertbesteck liegt oben und erst die Servicekraft zieht dies neben den Gast, bevor der Nachtisch serviert wird. „Wenn es der Gast selbst macht, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Service zu langsam war“, erklärte Schweyer die meist unbekannten Rituale des gehobenen Dinierens. Dass die Tischdecke zwischen 15 und maximal 30 Zentimeter von der Tischkante herabhängt, der Gast immer von rechts bedient und niemals berührt wird, oder dass das „Richtglas“ immer im Eckpunkt zwischen Dessertbesteck und den rechts liegenden Messer steht, ist dabei eine Selbstverständlichkeit.
Wie Elke Scheuler nutzten 15 Frauen und zwei Männer, darunter Elke Weiberle aus Hohenhaslach, Angelika Bähr aus Erligheim und Ingrid Wagner, die ihre in Erligheim angebauten Weine seit 1999 in ihrem „Weilemer Besen“ in Weiler am Stein kredenzt, den Fortbildungskurs am vergangenen Montag. „Es schadet nicht sich weiterzubilden“, betont die Hauswirtschaftsmeisterin Ingrid Wagner und schloss sich dem Urteil von Elke Scheuler an: „Es ging in erster Linie um die gehobene Gastronomie. Doch bei Gesellschaften ist es gut, wenn man die entsprechenden Grundlagen hat.“ Etwas ausführlicher hätte sie sich die Informationen über die neue Hygienerichtlinien gewünscht. Insgesamt habe sie aber von den drei Stunden profitiert, denn nach anfänglicher Zurückhaltung unter den Teilnehmern seien lebhafte Diskussionen entstanden und man habe sich gegenseitig Tipps gegeben.
Bis die Löchgauerin Elke Scheuler allerdings ihr erlerntes Wissen einsetzen kann, vergehen sicherlich noch einige Monate. Seit über zwei Jahren stocken die Planungen für ihr Hofcafé, in dem sie auch saisonale Spargelgerichte anbieten will. Das alte Stall- und Scheunengebäude soll dazu ausgebaut werden, zumal sie auch für den florierenden Hofladen mehr Platz braucht. Beim sogenannten „Bauen im Außenbereich“ gebe es aber etliche Vorgaben des Landwirtschaftsamts: „Auf der einen Seite wollen sie, dass es mit der Landwirtschaft voran geht, auf der anderen bremsen sie uns aus“, sagt sie verärgert. Da der Löchgauer Gemeinderat sie bei den notwendigen Änderungen des Bebauungsplans durchaus unterstützt habe, hofft sie nun, dass sie bis Mitte oder spätestens Ende dieses Jahres ihr Projekt der Bauhofgastronomie in Löchgau umsetzen kann.
Dann macht das Seminarangebot des Landratsamts zu Festscheune, Hofcafé oder Schlemmerhof richtig Sinn.
Tweet

